IP/09/1686 Brüssel, 9. November 2009 Neue Meinungsumfrage: 16 % der Europäer fühlen sich diskriminiert Einer heute von der Europäischen Kommission veröffentlichten Meinungsumfrage zufolge ist etwa jeder sechste Europäer der Auffassung, im letzten Jahr diskriminiert worden zu sein. Zudem befürchten 64 % der europäischen Bürger, dass die Rezession zu mehr Diskriminierung aufgrund des Alters auf dem Arbeitsmarkt führen wird. Dies ergab die jüngste Eurobarometer-Umfrage, die im Vorfeld des diesjährigen Europäischen Gleichstellungsgipfels veröffentlicht wurde, der am 16. und 17. November in Stockholm stattfindet. „Diskriminierung ist nach wie vor ein Problem in ganz Europa, und die Einschätzungen der Bürger zu dieser Problematik haben sich gegenüber dem Vorjahr kaum verändert“, erläutert der für Chancengleichheit zuständige EU-Kommissar Vladimír Špidla. „Besonders besorgniserregend ist die von den Bürgern wahrgenommene Zunahme der Altersdiskriminierung infolge der Rezession. Diese Ergebnisse zeigen auf, dass – insbesondere auf nationaler Ebene – noch eine Menge zu tun bleibt, um den Menschen bewusst zu machen, dass sie ein Recht auf Gleichbehandlung haben, und dafür zu sorgen, dass Gleichstellung keine Worthülse bleibt“, ergänzte Špidla. Die Situation bei den persönlichen Diskriminierungserfahrungen der Befragten hat sich gegenüber dem Vorjahr kaum verändert (die gleiche Umfrage wurde letztes Jahr schon einmal durchgeführt). Der am häufigsten genannte Diskriminierungsgrund ist weiterhin das Alter (6 % der Befragten). 2009 gaben insgesamt 16 % der Europäer an, Opfer von Diskriminierungen (aufgrund der Rasse, der Religion bzw. Weltanschauung, des Alters, einer Behinderung oder der sexuellen Ausrichtung) geworden zu sein – ebenso viele wie im Jahr 2008. Die Diskriminierung aufgrund des Alters oder einer Behinderung ist den Wahrnehmungen der Bürger zufolge stark im Vormarsch. So gaben in diesem Jahr 58 % der Europäer an, dass Altersdiskriminierung in ihrem Land weit verbreitet ist (gegenüber 42 % im Vorjahr), und 53 % nannten die Diskriminierung aufgrund einer Behinderung (gegenüber 45 % im Vorjahr). Zudem gibt es einen eindeutigen Bezug zur derzeitigen wirtschaftlichen Lage: 64 % der Bürger sind der Meinung, dass die Rezession zu einer verstärkten Diskriminierung aufgrund des Alters auf dem Arbeitsmarkt führen wird. Diese Einschätzung könnte auf die seit der Wirtschaftskrise in vielen EU-Ländern steigende Jugendarbeitslosigkeit und auch auf ein wachsendes Bewusstsein für diese Art der Diskriminierung zurückzuführen sein. Lediglich jeder dritte Europäer gibt an, seine Rechte im Fall von Diskriminierungen oder Belästigungen zu kennen. Hinter dieser Zahl verbergen sich jedoch beträchtliche nationale Unterschiede: Das Bewusstsein für die Rechte der Bürger hat sich gegenüber der letzten Umfrage aus dem Jahr 2008 im Vereinigten Königreich (+8 Prozentpunkte) sowie in Frankreich (+7), Irland und Schweden (jeweils +6) verbessert, ist in Polen (-12) und Portugal (-11) jedoch zurückgegangen. Die Sensibilisierung der Öffentlichkeit ist ein langfristiger Prozess, der gemeinsame Anstrengungen auf europäischer und nationaler Ebene erfordert, auch auf Seiten maßgeblicher Akteure wie der nationalen Gleichstellungsstellen. Die Europäische Kommission setzt ihre Bemühungen im Rahmen der europaweiten Informationskampagne „Für Vielfalt – gegen Diskriminierung“ fort und unterstützt nationale Sensibilisierungsprojekte aus Mitteln des Programms PROGRESS. Damit führt sie die im Europäischen Jahr der Chancengleichheit für alle 2007 angelaufenen Fördermaßnahmen fort. Zur Meldung von Diskriminierungsfällen würden sich die meisten Europäer (55 %) als erstes an die Polizei wenden; 35 % würden ihre Gleichstellungsstelle kontaktieren und 27 % eine Gewerkschaft. Das Vertrauen in die verschiedenen Organisationen und Einrichtungen, die sich mit Diskriminierungsfragen befassen, ist jedoch von Land zu Land sehr unterschiedlich. Erfreulicherweise geben die Umfrageergebnisse auch Aufschluss darüber, mit welchen sozialen Mechanismen die Diskriminierung eingedämmt werden kann. Es wird deutlich, dass soziale Netze sowie Bildungs- und Sensibilisierungsmaßnahmen die Akzeptanz der Andersartigkeit verbessern. Bemühungen und Strategien, die auf die Anerkennung dieses Faktums abzielen, werden zweifellos die Diskriminierungsbekämpfung voranbringen und die Vielfalt fördern. Hintergrund Am 16. und 17. November 2009 richten die schwedische EU-Präsidentschaft und die Europäische Kommission in Stockholm den dritten EU-Gleichstellungsgipfel aus. Diese jährliche Veranstaltung soll dafür sorgen, dass die EU und die nationalen Regierungen Fragen der Diskriminierung und der Vielfalt Priorität beimessen, und dem Austausch von Wissen und Erfahrungen dienen, um wirkungsvollere Wege zur Bekämpfung aller Formen von Diskriminierung zu entwickeln. Die Meinungsumfrage ist die dritte in einer Reihe von „Eurobarometer Spezial“-Erhebungen zum Thema Diskriminierung in Europa, mit der festgestellt werden soll, wie sich die Wahrnehmungen und Meinungen in den letzten Jahren verändert haben. Die jüngste Umfrage wurde in der Zeit vom 29. Mai bis 15. Juni 2009 durchgeführt; es wurden insgesamt 26 756 Personen in 30 europäischen Ländern (den 27 Mitgliedstaaten und den drei Kandidatenländern) befragt. Die Fragebögen wurden dieses Jahr um neue Fragen zu den Auswirkungen der Rezession auf die subjektiv wahrgenommene Diskriminierung ergänzt. Außerdem wurden erstmals auch Bürger aus den drei Kandidatenländern – Kroatien, ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien (FYROM) und Türkei – befragt. Die vorherigen Umfragen in dieser Reihe wurden 2006 und 2008 durchgeführt. Weitere Informationen: MEMO/09/495 Eurobarometer Spezial zur Diskriminierung – Zusammenfassung, Bericht und Länderübersichten http://ec.europa.eu/public_opinion/archives/eb_special_en.htm Dritter Gleichstellungsgipfel – Zusammenarbeit für die Gleichstellung http://ec.europa.eu/social/main.jsp?catId=88&langId=de&eventsId=220&furtherEvents=yes Bekämpfung der Diskriminierung http://ec.europa.eu/social/main.jsp?catId=423&langId=de www.stop-discrimination.info Abonnieren Sie den kostenlosen E-Mail-Newsletter der Kommission zu den Themen Beschäftigung, Soziales und Chancengleichheit http://ec.europa.eu/social/e-newsletter