IP/09/ 1716 Brüssel, den 16. November 2009 FuE-Investitionen der Industrie 2008: globaler Anstieg – EU-Unternehmen vor USA und Japan Trotz Wirtschaftskrise sind 2008 die weltweiten Investitionen der Unternehmen in Forschung und Entwicklung (FuE) um 6,9 % gestiegen. Dies geht aus dem heute veröffentlichten „EU-Anzeiger für FuE-Investitionen der Industrie 2009“ hervor. Mit einem Zuwachs von 8,1 % sind die FuE-Investitionen der EU-Industrie (d. h. der Unternehmen mit Hauptsitz innerhalb der EU) zum zweiten Mal deutlich höher als in den USA (5,7 %) und Japan (4,4 %). Unter den „Top 10“ befinden sich zwei EU-Unternehmen: Volkswagen belegt mit FuE-Investitionen in Höhe von 5,93 Mrd. EUR den 3. Platz und Nokia den 8. Platz. Der weltweit größte FuE-Investor war Toyota Motor mit 7,61 Mrd. EUR. Unternehmen aus jungen Industrieländern weisen dem Bericht zufolge den höchsten Zuwachs der FuE-Investitionen auf. „Es ist eine gute Nachricht, dass EU-Unternehmen auch in Zeiten der Wirtschaftskrise ihre Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen 2008 aufrecht erhalten haben. Dies ist die beste Strategie, um gestärkt aus der Krise hervorzugehen. Wir müssen die EU-Unternehmen dabei unterstützen und Anreize für den Ausbau forschungsintensiver Bereiche in der EU schaffen. Der Aufbau eines echten europäischen Forschungsraums ist ein Teil der Antwort, genauso wie die EU-Maßnahmen zur Förderung intelligenter Investitionen in Forschung und Entwicklung. Darüber hinaus begrüße ich den Zuwachs der FuE-Investitionen in jenen EU-Unternehmen, d ie im Bereich der kohlenstoffarmen Energietechnologien aktiv sind. Sie sind eine neue Quelle für Wachstum und Beschäftigung in der EU“, sagte der für Wissenschaft und Forschung zuständige EU-Kommissar Janez Potočnik. Der von der Europäischen Kommission ver öffentlichte EU-Anzeiger für FuE-Investitionen der Industrie zeigt, dass die weltweiten Investitionen der Unternehmen in die Forschung und Entwicklung trotz Wirtschaftskrise noch immer bei 6,9 % liegen – gegenüber 9 % im Jahr 2007 (Abbildung 1). Die EU-Unternehmen haben es demnach geschafft, ihren FuE-Investitionszuwachs 2008 beinahe unverändert zu halten (8,1 % gegenüber 8,8 % im Jahr 2007), während die US-Unternehmen von 8,6 % im Jahr 2007 auf 5,7 % im Jahr 2008 zurückfielen. Den höchsten FuE-Zuwachs verzeichneten weiterhin Unternehmen aus jungen Industrieländern, allen voran China mit einer Zunahme von 40 %, gefolgt von Indien (27,3 %), Taiwan (25,1 %) und Brasilien (18,6 %). Während sich die Folgen der Krise noch nicht voll in den FuE-Investitionen niedergeschlagen haben, werden sie in anderen erfassten Indikatoren umso deutlicher, beispielsweise bei den Betriebsgewinnen der Unternehmen, die in der EU um 30,5 % und in den USA um 19,1 % zurückgegangen sind. Unternehmenstrends Unter den ersten zehn FuE-Investoren befinden sich zwei Unternehmen aus der EU, Volkswagen und Nokia, fünf aus den USA, darunter Microsoft, General Motors und Pfizer, sowie eines aus Japan, Toyota, das auch die Spitzenposition einnimmt. Unter den größten 50 FuE-Investoren befinden sich 16 Unternehmen aus der EU, 18 aus den USA (zwei weniger als 2007) und 13 aus Japan (vier mehr als 2007). Die in diesen „Top 50“ vertretenen EU-Unternehmen hatten im Durchschnitt aber eine höhere FuE-Intensität (Anteil der FuE-Investitionen am Umsatz) als außereuropäische Unternehmen vorzuweisen, nämlich 7,8 % gegenüber 6,8 % (Abbildung 2). Branchentrends Der FuE-Zuwachs in den USA wird von den hochgradig FuE-intensiven Sektoren wie Pharmaindustrie, Biotechnologie und Informationstechnik bestimmt. In der EU verteilt er sich dagegen gleichmäßiger auf alle Wirtschaftszweige. Die US-Unternehmen konnten ihre Führungsposition in den Sektoren mit hoher FuE-Intensität ausbauen und ihre Investitionen über die letzten vier Jahre um 35 % steigern, wogegen die EU-Unternehmen lediglich auf 13,6 % kamen (Abbildung 3). Die FuE-Investitionen des gesamten Sektors mit hoher FuE-Intensität sind in den USA zwar doppelt so hoch wie in der EU, dennoch kommen die EU-Unternehmen bei den FuE-Indikatoren und den damit verbundenen Zahlen auf eine ähnliche Leistung wie die US-Konkurrenten. Führend sind EU-Unternehmen dagegen in den Sektoren mit mittlerer und niedriger FuE-Intensität, z. B. in der Automobilbranche und deren Zulieferindustrie, im Elektrik- und Elektronikgerätebau oder der Chemieindustrie. Pharmaindustrie und Biotechnologiesektor konnten ihre Position als größte FuE-Investoren mit 18,9 % bzw. 25 % sowohl weltweit als auch in den USA ausbauen. Viele Pharmaunternehmen verzeichneten einen hohen Zuwachs ihrer FuE-Investitionen, z. B. Takeda Pharm. (+42,7 %), Boehringer Ingelheim (+21,9 %), Schering-Plough (+20,6 %). Dagegen gingen die FuE-Investitionen von Merck (US), Johnson & Johnson und Pfizer um 1–2 % zurück. Die Automobilindustrie und ihre Zulieferer stehen mit 17,1 % weltweit an dritter Stelle, in der EU und Japan aber an erster Stelle (25,0 % bzw. 27,0 %). Obwohl sie als erste von der Wirtschaftskrise getroffen wurden, erzielten einige Autohersteller zweistellige FuE-Zuwachzahlen: Volkswagen (+20,4 %), Peugeot (+14,4 %) und Fiat (+14,1 %). Andere verringerten ihre FuE-Investitionen dagegen ganz erheblich, z. B. Renault (‑9,2 %), Daimler (-9,1 %), BMW (-8,9 %), Ford Motor (-2,7 %) und General Motors (‑1,2 %). Der diesjährige EU-Anzeiger bestätigt die rege FuE-Tätigkeit jener Unternehmen, die sich aktiv im Bereich der Technologien zur Nutzung erneuerbarer Energiequellen engagieren. Die sechs EU-Unternehmen aus diesem Bereich wiesen in den letzten drei Jahren beeindruckende Zuwächse ihrer FuE-Investitionen auf (Abbildung 4). Hintergrund Der EU-Anzeiger für FuE-Investitionen der Industrie 2009 gibt Auskunft über die 1000 Unternehmen aus der EU und die 1000 Unternehmen aus aller Welt, die im letzten Berichtsjahr am meisten in Forschung und Entwicklung investiert haben. Er wird jährlich von der Europäischen Kommission veröffentlicht. Den EU-Anzeiger und andere IRMA-Berichte über die Beobachtung der Forschungsinvestitionen der Industrie ( Industrial Research Investment Monitoring and Analysis ) finden Sie im Internet unter: http://iri.jrc.ec.europa.eu/ . Siehe auch MEMO/09/503 Fragen und Antworten Figures and graphics available in PDF and WORD PROCESSED Abbildung 2: Aufstellung der weltweit größten 50 FuE-Investoren nach dem Gesamtbetrag ihrer FuE-Gesamtinvestitionen 2009 Figures and graphics available in PDF and WORD PROCESSED Figures and graphics available in PDF and WORD PROCESSED Hinweis: Die Zahlen in Klammern nach dem Namen des Unternehmens zeigen dessen Position in den EU-Anzeigern der Vorjahre. Quelle: EU-Anzeiger für FuE-Investitionen der Industrie 2008, Europäische Kommission, GFS / GD RTD. Figures and graphics available in PDF and WORD PROCESSED Figures and graphics available in PDF and WORD PROCESSED